„Wenn er nach acht Jahren noch lebt, so will ich ihn mit Gift…
„Wenn er nach acht Jahren noch lebt, so will ich ihn mit Gift hinrichten!“
Mit diesem eiskalten Versprechen besiegelte Crescenz Kasberger bereits Jahre vor der Tat das Schicksal ihres Ehemannes Joseph. Was am 2. Juni 1869 auf einem einsamen Hof in Rappmannsberg bei Röhrnbach als vermeintliche Krankheit begann, entwickelte sich zu einem der spektakulärsten Giftmord-Prozesse der bayerischen Kriminalgeschichte.
Von der fatalen Fehldiagnose „Gastritis acuta“ durch Dr. Rott bis zur dramatischen Exhumierung und dem Todesurteil kurz vor Weihnachten – dieser Fall aus den alten Gerichtsakten von 1869 zeigt die tiefsten Abgründe von Hass und Habgier im Bayerischen Wald.
Hier die Geschichte:
Am 8. Juli 1862 heiratete der 1812 geborene Joseph Kasberger die 21 Jahre jüngere, 1833 geborene Cresenz Kloiber. Diese Verbindung stand jedoch von Beginn an unter einem düsteren Vorzeichen. Cresenz Kasberger machte aus ihrer tiefen Verachtung für das gemeinsame Leben mit Joseph kein Geheimnis und schilderte die Ehe rückblickend als eine reine Last, die sie nur aus Kalkül eingegangen war. Sie gab offen zu, dass sie Joseph nie geliebt habe und ihn aufgrund seiner körperlichen Gebrechlichkeit oft als „buckligen Schindteufel“ oder mühseliges „Gfrett“ beschimpfte. Vor Gericht gab sie zu Protokoll, dass ihr der Anblick ihres Mannes unerträglich gewesen sei und sie sich nach einem „stattlichen“ Partner sehnte, den sie im Knecht Andreas Käser gefunden zu haben glaubte.
Ihr bösartiger Plan war dabei von langer Hand vorbereitet, denn sie gestand vor Gericht den eiskalten Vorsatz: „Schon bei der Hochzeit dachte ich mir: Wenn er nach acht Jahren noch lebt, so will ich ihn mit Gift hinrichten.“ Besonders bezeichnend war jedoch ihre Aussage über den stolzen Hof in Rappmannsberg, den sie trotz ihrer Abscheu gegenüber ihrem Mann unbedingt behalten wollte. Sie betonte herablassend, dass der Hof „zu schade für einen Krüppel“ wie Joseph sei und sie es nicht einsehe, ihre besten Jahre auf diesem wertvollen Besitz an der Seite eines Mannes zu verschwenden, der ihrer Meinung nach nicht dorthin passte. In ihrer Vorstellung war der Hof das rechtmäßige Erbe für sie und ihren Liebhaber.
Die Tat selbst wurde mit erschütternder Kaltblütigkeit ausgeführt: Der Knecht Andreas Käser mischte das Arsenik direkt in das Essen des Bauern. Als Joseph Kasberger unter furchtbaren Qualen litt und seinen Knecht anflehte, Hilfe zu holen, begab sich dieser scheinbar pflichtbewusst zu Dr. Rott, um eine Medizin zu besorgen. Doch anstatt dem Sterbenden die rettende Arznei zu geben, verabreichte Käser ihm davon lediglich einen einzigen Löffel, um den Schein zu wahren, während er ihn im Übrigen seinem grausamen Schicksal überließ. So wurde der rechtmäßige Besitzer Joseph in den Augen der Verschwörer nur zu einem störenden Hindernis auf dem Weg zu ihrem persönlichen Glück und Wohlstand.
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