Von der Schwangerschaft bis zur Geburt. Heute Teil 2 von 3. Wenn die…
Von der Schwangerschaft bis zur Geburt. Heute Teil 2 von 3. Wenn die Wehen einsetzten, begann im Bayerischen Wald eine Phase, die das gesamte Haus betraf. Die Gebärende wurde in die warme Stube gebracht, denn Kälte galt als gefährlich und konnte den Verlauf der Geburt erschweren. Die Hebamme kam meist aus der näheren Umgebung, doch die Wege waren je nach Jahreszeit sehr unterschiedlich. Im Sommer erreichte sie den Hof oft rasch, während im Winter meterhoher Schnee und schlecht begehbare Waldpfade ihre Ankunft deutlich verzögerten. Während die Frauen des Hauses auf die Hebamme warteten, erhielt die Gebärende dünnes Nährbier, da Wasser aus Brunnen oder Bächen oft verunreinigt war und als unsicher galt. Das Bier war leicht und hielt den Kreislauf stabil. In dieser Zeit bereiteten die Frauen warmes Wasser vor und legten Tücher bereit. Ärzte waren kaum erreichbar und wurden nur in äußerster Not gerufen. Die Geburt war ein Vorgang, der allein mit Erfahrung, Beobachtung und körperlicher Kraft bewältigt werden musste. Diese historische Realität bildet den zweiten Teil unserer Reihe.
#bayerwaldforschung